Dienstag, 3. Februar 2015

Einfach die Dinge beim Namen nennen!

Birte bringt es in ihrer Kolumne für das Magazin a Tempo einfach mal wieder ohne drum herum zu quatschen auf den Punkt. Ich liebe ja schon sehr lange ihre Kolumnen, eben wegen ihrer direkten Art und weil ich ganz oft hier sitze und dann beim Lesen denke  ... " Ja! Ja! VERDAMMT JAAAAAAAAAAA!!!"
In ihrer Kolumne im diesen Monat geht es darum das Sprache die Wirklichkeit nicht abschafft! 
Es geht um dieses ganze drum herum Gerede von dem geistigen Zustand eines Menschen! 

Ich kann dieses drumherum geschwaffel ehrlich gesagt auch nicht wirklich leiden.. aus dem Grund steht bei uns auch in der Info direkt was hier Sache ist! 

Es ist anstrengend in Gesprächen immer überlegen zu müssen ob man anderen Eltern im Gespräch damit auf den Schlips tretet wenn man von "geistig behindert" redet ... weil sie lieber z.B. den Ausdruck verwenden " Mein Kind lebt unter den Bedingungen der Trisomie21!" .. What? 
Kein Witz! Hab ich auch schon gehört..... ! Ich finde ehrlich gesagt, dass sich das sogar noch weit aus dramatischer anhört als einfach zu sagen: Mein Kind ist geistig behindert! Punkt! 
Denn damit können wenigstens alle Menschen was anfangen... bei anderer Beschreibung denken doch irgendwelche unwissenden dass das Kind unter irgendeiner schweren Krankheit leidet! 
"Leidet" da sind wir auch schon wieder beim nächsten Punkt! 
Auch wenn jetzt evtl einige mit Fusseln nach mir werfen! 
Ist es wirklich notwendig sich in Zeitungsberichten o.ä. jedesmal über dieses eine kleine Wort zu ärgern wenn über einen Mensch mit dem Down-Syndrom berichtet wird und es heißt " der/die leidet unter dem Down-Syndrom". Natürlich leiden die meisten Wortwörtlich NICHT am Down-Sydnrom! Aber man muss man jedes Wort immer auf die Goldwaage legen? Damit verändert man doch nichts! 

Also ich weiß ja nicht, mir ist meine Zeit viel zu kostbar mich über so etwas aufzuregen. Aber oft kommen welche ja dann damit das dort schon das Thema Inklusion anfangen würde! 
Sehe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht so... bei Inklusion geht es darum den Menschen so anzunehmen wie er ist! Und da ändern auch reine Begrifflichkeiten doch nichts an dem geistigen Zustand eines Menschen? Und dieser Mensch wird doch  nicht nur dadurch auf seinen geistigen Zustand beschränkt! 




Ich sage doch auch mein Sohn ist geistig behindert! Aber beschränke ich ihn deswegen nur darauf? Garantiert nicht! 
Für uns ist Jerry viel mehr als geistig behindert! Wir schauen zu ihm hinaus, weil wir jeden Tag ganz viel Neues von ihm lernen dürfen. 
Jerry ist Jerry! Aber trotzdem gilt er in unserer Gesellschaft als geistig behindert! Und dieses X-Chromosom macht ihn eben auch geistig behindert! Auch wenn das Leben mit ihm wundervoll spannend ist, und natürlich l(i)ebenswert ist ... Aber trotzdem ändern wie schon gesagt andere Begrifflichkeiten rein gar nichts an der Tatsache das er eben nicht so schnell lernen kann wie andere Kinder. Das er sehr viel Routine und Unterstützung brauch. Das er jetzt mit fast 7 erst gaaaaaanz langsam 4 Wörter "sagen" kann! Das er bei weitem noch nicht trocken ist! Das wir hier am Tag 1000000000000000000000000000000 Mal Nein sagen müssen, und er es immer noch nicht versteht! Und diese Tatsachen brauch man doch in keinster weise schön zu reden! Es ist fakt! Es ist Realität! Und ich finde man sollte diese Realität einfach mal so annehmen wie sie ist! Erst dann kann auch Inklusion wirklich funktionieren! Der Grundgedanke ist doch " Es ist normal verschieden zu sein!" Dazu gehört auch, es zu akzeptieren dass das Kind oder der Menschen eben geistig behindert ist und dies auch so sagen zu dürfen!  
Stellt euch doch auch mal vor, wieviele wundervolle Menschen euch evtl. gerne ansprechen würden wenn ihr mit euren Kindern unterwegs seit. Menschen die vielleicht gar nichts mit dem Thema Behinderung zu tun haben, sie aber gar nicht wissen WIE sie euch ansprechen sollten eben aus Angst etwas falsches zu sagen? Diese Erfahrung hab ich auch schon gemacht! Stattdessen hat man mich dann lustigerweise bei Facebook gefunden durch einen Zufall und wurde dann dort angeschrieben, mit den ganz offenen und ehrlichen Worten das es schwierig in der Situation ist. Weil man eben nicht die passenden Worte findet, oder man Angst hat das der Betroffene diese Äußerung als "Verletzend" findet, obwohl das überhaupt gar nicht die Intuition war von dem Gegenüber! 

Und wie Birte auch schon sagt, vielleicht sollte man erstmal anfangen das Wort behindert aus anderen negativ Belastenden Zusammenhängen zu streichen! Und fangen wir doch am Besten dort, das Wort behindert nicht mehr als Schimpfwort zu nutzen! DAS wäre doch mal ein Anfang. Das wäre ein Ansatz! Und in diesem Punkt darf man sich dann auch aufregen, oder die Menschen evtl einfach mal höflich darauf hinweisen! Achtet doch mal in eurem Umfeld darauf, wie oft ihr das Wort "das ist doch behindert!" oder "bist du behindert?" hört! Ihr werdet staunen wenn man erstmal ganz bewusst darauf achtet! 
Die Gesellschaft muss lernen, das ein Mensch nicht als Minderwertig gilt, nur weil er "geistig behindert" ist! Und genauso müssen Betroffene lernen, sich nicht direkt angegriffen zu fühlen , wenn es heißt "dein/mein Kind ist geistig Behindert!" 



Liebst 
 die Nike 

Sonntag, 21. Dezember 2014

Wie das Leben eben so spielt!


Ihr Lieben, 

dass Leben ist nicht immer nett zu einem.
Diese Tatsache muss ich euch wohl nicht erzählen, 
denn dies ist schon lange Zeit kein Geheimnis mehr. 
Und ich warne euch schon einmal vor, denn dieser Post wird wirklich lange! 
Schnappt euch also lieber Mal ne Tasse Kaffee oder wie ich ne Tasse Chai Latte und vielleicht benötigt der ein oder andere auch noch ein Taschentuch! 

Ich hatte einige wirklich wundervolle Jahre, 
vor allem seitdem ich hier in bei meiner Familie lebe und Hamburg den Rücken zugewendet habe. 
Vor ziemlich genau 3 Jahren, hatte ich aber auch ein kleines Burn-Out.
Ich ließ euch damals daran teilhaben, 
weil es mir half wieder zu mir selbst zu finden. 

Doch dieses Mal sah die ganze Sache etwas anders aus.
Seit dem das Räuberkind die Operation am offenen Herzen hatte, 
herrschte hier quasi Funkstille. 
Das auch nicht Grundlos. 

Die Zeit vor der Herz-Op, 
war sehr stressig...das habt ihr ja alle durchaus noch mitbekommen.
2 Tage vor Abreise erfuhren wir das wir quasi keine Unterkunft haben werden 
und das auch noch zu Beginn der Sommerferien. Im Ronald Mc Donald Haus war noch kein Zimmer für uns frei.
Dies brauchten wir natürlich da der Held uns ja nach Hamburg begleiten wollte. 
Naja, jedenfalls ist das ja dann Gottseidank doch noch alles gut gegangen
und wir konnten dann wirklich noch pünktlich am Mittwoch im Ronald Mc Donald Haus einziehen. 

Alles andere wäre wirklich ne kleine Katastrophe geworden. 

Doch das Krankenhaus hatte uns schon fest versichert, dass wenn wir ohne Unterkunft da stehen würden könnte der Held auf alle Fälle mit ins Krankenhaus einziehen. 

Am Donnerstag wurde der Räuber dann wieder ins Krankenhaus eingewiesen, 
und am Freitag fand die Herz-Op statt. 
Ich glaube ich muss euch nicht sagen das ich die ganzen Nächten zuvor (Monatelang) mehr als schlecht geschlafen habe und ich mich selbst auf die Ausbildung nur noch mäßig konzentrieren konnte und diese auch sehr darunter gelitten hat. 
Es hieß jedenfalls, dass der Räuber um 10 Uhr in der früh dran seie.
 Da waren wir schon etwas froh, denn so dachten wir können wir morgens noch gemeinsam etwas im Bett liegen und kuscheln. 
Um 6 wurde ich und der Räuber dann geweckt mit den Worten:
" Es tut uns leid, Jerry ist doch schon um 7 dran und wird jeden Moment abgeholt!" 
PANIK!
Denn der Held war noch nicht bei uns. 
Ich habe ihn also sofort angerufen und er machte sich auch direkt auf den Weg.
 Plötzlich standen dann die Sanitäter schon auf dem Flur und mein Herz fing wild an zu pochen - doch zum Glück Fehlalarm. Die waren für ein anderes Kind da. 
Der Held kam genau 5 Minuten vorher bei uns an, bevor die Sanitäter den schon bedudelten Räuber abgeholt haben. 
Jerry grinste nur noch vor sich hin und hielt seine Lilli (Spieluhr) ganz fest. 
Was für eine Angst wir hatten, das könnt ihr euch sicher vorstellen. 
Vorallem als wir den Räuber an der Schleuse wieder abgeben mussten, 
kullerten mir natürlich wieder die Tränen.
Der Räuber konnte das nicht verstehen... fand er doch den Op-Helfer sehr ulkig.
Das letzte Bild welches ich sah war ein Räuber auf dem Arm von diesem besagten Op-Helfer, der mich über die Schulter grinsen ansah wie ein Honigkuchenpferd. 

Und dann kullerten sie... dicke Krokodillstränen. 
Und ich fühlte mich 6 Jahre zurück katapulltiert.
Alles kam wieder hoch..... 
all die Ängste und Sorgen, auch die die ich 4 Jahre zuvor erlebt habe als der Räuber im Koma lag. 
Ich hatte so unglaublich Angst, dass sich dieser Alptraum nochmal wiederholt. 
Ich wusste zwar, dass ich all das nicht alleine durchstehen muss - 
aber ehrlich gesagt fiel es mir sehr schwer mich dem Held gegenüber zu öffnen und fallen zu lassen. 

Denn, auch wenn wir schon 2,5 Jahre zusammen sind, war ich es in solch einer Situation nicht gewohnt nicht alleine zu sein.

Ich war es gewohnt, dass ich stark bleiben MUSSTE. 
Ganz egal was passiert. 
Aber diesesmal war es anders. 
Ich darf schwach sein, da ist jemand den ich liebe der mich in den Arm nimmt und ich mich fallen lassen kann. 
Und damit mein ich nicht nur die Zeit der Op, sondern auch schon all die Monate zuvor. 
Ihr wollt nicht wissen, was ich alles durchgemacht habe. 
Ich habe fast alles irgendwie mit mir selber ausgemacht.
Konnte nicht mit ihm darüber sprechen.
Und wer bekam es ab?
Natürlich Er. 
Meine Freunde. 
Die Schule. 
Eigentlich all die Menschen, die überhaupt nichts dafür konnten. 
Aber jeder dieser Menschen hatte Verständnis... 
jeder dieser Menschen zeigte mir das sie da sind.

Es war wirklich eine sehr schwere Zeit.
Doch der Räuber hat die Op mit Bravur gemeistert. 
6 Stunden ging sie! 
6 Stunden voller Bangen. 
Aber es half zu wissen, dass in diesen 6 Stunden ganz viele Menschen an Jerry dachten und sogar die Schwestern von der Kinderherzstation mitfieberten und sogar im OP anriefen ob alles nach Plan läuft. 
Jerry kam dann natürlich erstmal auf die Intensivstation. 

Am 2.Tag mussten wir aber erneut Fiebern. 
Und ganz ehrlich.. ich habe noch mehr geweint als bei der Op.
Der Moment der Extubation stand an.
Der Moment wo der Beatmungsschlauch gezogen werden sollte.
Der Moment wo 4 Jahre zuvor, 2 Zimmer weiter, auf der selben Intensivstation alles schief lief was nur schief laufen konnte und der Räuber ins Koma verlegt wurde. Und es war sogar auch noch die selbe Schwester mit dabei. 
Wir wurden wieder rausgeschickt.
Ich saß wieder vor genau der selben Schleuse wie 4 Jahre zuvor, 
wo ich einen Nervenzusammenbruch bekam. 
Ich fühlte mich, als würde ich vor Angst sterben.

Doch wisst ihr was?

Jede Angst war völlig unbegründet.
Der Räuber ist gewachsen. 
Ist noch stärker und stabiler geworden. 
All das was ich mir und auch andere Menschen mir Monate zuvor immer wieder eingeredet haben
hat er tatsächlich umgesetzt.
Es gab keinerlei Komplikationen. 
Tagelang lief alles wie am Schnürchen. 

Doch dann... baute er plötzlich ab. 
Und das obwohl er Mittags runter auf die normale Station verlegt werden sollte.
Wer das Räuberkind kennt, weiß irgendwie das dies sehr typisch ist für ihn. 

Fieber! Erbrochen! Sättigung fiel rapide ab.

Er war völlig fertig, war sehr weinerlich...
ich legte meinen Kopf an seinen streichelte ihm die Stirn 
 und sang ihm sein Lied vor.
Als er endlich eingeschlafen war,
schreckte er mit weit aufgerissen Augen, und Todeangst in ihnen hoch.
Wie aus dem Nichts. 
Und zuckte wahnsinnig zusammen,
als wenn er ganz ganz fürchterlich schreckliche Bilder im Traum gesehen hat.
Im 1.Moment dachte ich er habe  etwas mit dem Herz oder einen Epileptischen Anfall (obwohl er ja gar keine Epilepsie hat) 
Aber ich konnte nicht zuordnen was das nun sein sollte.
Der Held und ich schauten den Pfleger an, der selbst etwas ratlos da stand. 
Als Jerry mich dann anblickte und mich wahrnahm und realisierte wo er sich befand, 
ließ er sich zurück in meine Arme fallen. 
Völlig erschöpft. 
Der Arzt kam. 
Im Minutentakt und beobachtete Jerry.
Und dann... plötzlich.... wiederholt sich dieser Schreck erneut. 
Immer dann, wenn der Räuber kurz davor war in den Tiefschlaf zu fallen. 

Und wieder waren wir besorgt!
 Denn ich hab auch schon von Fällen gehört, wo das Jahre vorhanden blieb! 
Gottseidank erholte zumindest Jerry seine Lunge sich am nächsten Tag.
Er hatte kein Fieber mehr, die Sättigung war stabil... 
und nach dem 6.Tag zog er sich seine Sauerstoffbrille von selbst...und saß grinsend im Bett!  
Er aß wieder vernünftig und hielt die Schwestern nachts auf Trab und spielte mit ihnen das " Ich werfe  etwas aus dem Bett und du hebst es auf Spiel!" 
So wurde der Räuber an Tag 7 runter auf die normale Kinderherzstation verlegt, wo er schon voller Vorfreude von den Schwestern erwartet wurde. 

Leider hatte die Tatsache das Jerry so wunderbar aktiv war 
auch einen sehr blöden Nachteil.
Wundheilungsstörungen. 
Und dazu noch, ne Pflasterallergie.
Ich hab die Krise gekriegt.. und der Räuber sowieso.
Wie gesagt, er ist stärker geworden.
Das hat auch einen Nachteil... Pflaster wechseln etc ging nur noch zu viert. 
Auch die Narbe klaffte immer mehr auseinander, durch die Bewegung. 
Und dann passierte natürlich das beim Pflaster wechseln, was passieren musste: 
Die Narbe platzte auf! 
Da der Räuber sich die Seele aus dem Leib schrie und einen "Meltdown" bekam 
Es war zum verrückt werden. 

Noch dazu kam, dass der Räuber durch die Medikamente und die Narkose ganz fürchterliche Verstopfung bekam. So schlimm dass er neben den Halluzinationen Nachts auch noch mit unsagbaren Bauchschmerzen kämpfen musste. Einläufe etc. brachten nur mäßigen Erfolg. 
Die Nächte waren wirklich ein Horrortrip.. und ich bin so froh das der Held mit dabei war. Denn so konnten wir uns die Nächte über immer abwechseln und der andere sich im Ronald Mc Donald Haus etwas erholen.
 Doch der Tag an dem der Held dann nach 2 Wochen auch wieder nach Hause musste, da die Arbeit wieder rief und durch die Verschiebung der OP war unser ganzer Zeitplan durcheinander geraten. 

Dann hieß es völlig überraschend das wir Montags nach Hause könnten, 
doch Dr.Mir schaute sich die Narbe nochmal erneut an und sagte das es doch besser wäre nochmal einen Tag hier zu bleiben. 
Aber am nächsten Tag durften wir dann gehen. 
Es wurden noch Bilder gemacht von der Narbe, ich bekam Einläufe mit nach Hause, Salben, massig an Op-Pflastern etc.
(da dies die einzigen waren die der Räuber verträgt - und ihr wollt nicht wissen wie der Räuber aussah. Es war alles offen, am Hals wo der ZVK gelegen hatund auch um die Narbe drum herum und auch wo die Drainagen lag.)

Der Held wusste aber von all dem nichts, :) es sollte eine Überraschung werden. Es regnete in strömen auf dem Weg nach Hause. Der Räuber saß vorne bei mir, und es kam natürlich wie es kommen musste.... 
fürchterliche Bauchschmerzen und Fieber!
Ich also an der nächsten Raststätte angehalten und erstmal den Räuber versorgt. Ich hab echt gedacht, dass darf jetzt nicht wahr sein. 
Nach 6 Stunden waren wir dann zu Hause und der Räuber auch wieder Fieberfrei. Natürlich sind wir erstmal zu meinem Bruder gefahren (der Held war eh noch auf der Arbeit) und alle waren so baff, wie fit der Räuber wieder war. 
Er wurde überhaupt nicht zurück geworfen in seiner Entwicklung. 
Nur die Nächte,  die waren halt noch weiterhin anstrengend. 
Zu Hause ankommen dann, hab ich erstmal aufgeräumt, war noch Einkaufen und hab dem Held und mir ein leckeres Essen gezaubert. Überall Kerzen aufgestellt.... und dann kam er rein... um 23 Uhr und konnte seinen Augen nicht trauen 

Der Räuber durfte dann die nächsten 3 Wochen noch nicht in die Kita, 
da die Wunde weiterhin noch offen war. 
Die Verstopfung haben wir aber mit Dörrobst und Sab Simplex in den Griff bekommen. 
Mit dem posttraumatischen Durchgangssyndrom hatten wir noch ca. 5-6 Wochen zu tun gehabt. Natürlich hat er in dieser Zeit bei uns geschlafen 

2 Wochen später als der Räuber wieder in die Kita konnte, bahnte sich aber bereits der nächste Schicksalsschlag an, der mich in die Knie zwang. 
Wir erhielten einen Anruf von meiner Stiefoma!

Meiner Mama ging es sehr schlecht. Lungenentzündung. 

Wir waren paar Tage vor Hamburg noch bei ihr, und da wusste ich bereits wenn jetzt so etwas kommt.... dann wird sie gehen!
Sie hatte grade mal noch 30 kg. 

Und jetzt war klar... sie wird ihren Weg gehen. 
Sie wird erlöst werden.

Mein Bruder, ich und meine Schwägerin sind Mittwochs alle noch zusammen hingefahren... saßen ne ganze Weile neben ihrem Bett... hielten ihre Hand.... 
und ließen sie spüren das wir bei ihr sind. 
Das sie diesen Weg nicht alleine gehen muss.
Zum Glück nahm sie uns wahr. 
Donnerstags bin ich wieder hin gefahren ... mit dem Held.
Denn auch er wollte meine Mama noch verabschieden... 
und ich spürte einfach das es sich nur noch um Tage handeln kann. 
Wir saßen wieder einige Stunden neben ihrem Bett,
hielten wieder ihre Hand,
und versuchten ihr ihre Angst zu nehmen.
Es war wirklich nicht einfach.
Ich denke jeder der bereits einen Elternteil von sich gehen lassen hat muss, wird es verstehen wie ich mich gefühlt habe und immer noch fühle.
Aber die Tatsache, dass es für sie nach 11 Jahren Qual DIE Erlösung ist, ließ mich stark bleiben! 
Aber einfacher macht es diesen Verlust trotzdem nicht. 
Ich habe sie noch in einem wachen Moment gefragt, ob sie noch weiß das wir alle am Tag zuvor da waren... sie schaute mich an und sagte: "ja!" 
Wir blieben noch lange Zeit bei ihr sitzen.

Am nächsten Morgen klingelte um 6 Uhr unser Telefon.
Ich wusste was dieses klingeln bedeutet!
Der Held ging dran, und es war mein Bruder!
Er blickte zu mir rüber und reichte mir das Telefon. 

Sie war die Nacht ganz friedlich eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht! 

Mein 1.Satz zu meinem Held war: " Sie hat auf uns gewartet!" 
Und das hat sie! 
Da bin ich mir sehr sehr sicher!
Die Information das Jerry die Herz-Op gut überstanden hat, bekam sie natürlich schon als wir in Hamburg waren. Denn das hab ich ihr fest versprochen! 
Nur hat sie all die Zeit darauf gewartet, dass wir alle gemeinsam nochmal an ihrem Bett stehen. Als Familie! 

Ich stand sofort auf, machte mich fertig und wir setzten uns ins Auto und fuhren zu ihr um uns noch ein letztes Mal zu verabschieden. 
Jerry musste mit, da die Kita an diesem Tag geschlossen hatte.
Ich bin einfach so unglaublich dankbar, meinen Mann an meiner Seite zu haben. 
Er fing mich wieder erneut auf. 

Er blieb draußen auf dem Flur mit dem Räuberkind und ich betrat zu erst ihr Zimmer. 
Sie lag ganz friedlich in ihrer weißen Bettwäsche, ihrem weißen Nachthemd 
mit einer weißen Rose in den Händen in ihrem Bett.

So wirkte so friedlich als würde sie nur schlafen. 
Aber diese verdammte Krankheit hat natürlich deutliche Spuren hinterlassen, 
sie war nur noch Haut und Knochen!

Sie hatten den Engel den ich meiner Mama mal zu Weihnachten geschenkt habe, 
neben ihr Bett gestellt mit einer kleinen Kerze.

Glaubt ihr mir, wenn ich euch sage - es fiel mir wahnsinnig schwer ihr Zimmer zu verlassen!? 

Ich fühlte ein wahnsinniges Gewicht auf mir, und wollte flüchten... 
doch vor der Wahrheit kann halt niemand fliehen. 

Denn immerhin war dies ein Abschied für immer! 
Wobei ... Nein! Wir werden uns wiedersehen. Sie ist einfach nur vorgegangen.
In eine andere Welt, wo sie nun frei ist.... 
und das ist immer noch der einzige Gedanke der mich diese Tatsache das ich meine Mama verloren habe, ertragen lässt. 
Aber unsere Erinnerungen werde ich nie vergesse, 
auch wenn sie teilweise sehr verletzten. 
Doch auch diese Erinnerungen sind durch nichts zu ersetzten!

Nachdem Abschied bei meiner Mama hatte ich das unsagbar große Gefühl meinen Papa in meine Arme zu schließen. 
Aus diesem Grund sind wir sofort bei ihm vorbei gefahren, 
die Kirchglocken läuteten... 
er kam mir aus der Haustür entgegen, blickte mich an und wusste was Sache war!
Auch wenn er und meine Mama sich leider nicht mehr vertragen haben in diesem Leben, so hatte auch er daran zu schlucken. 

Aber was mich nach wie vor sehr sehr wütend macht, 
ist die Tatsache dass in all den Jahren niemand von ihrer Familie nach ihr gefragt hat, keiner es für nötig hielt sie zu besuchen. 
Noch nicht einmal ihre eigene Mutter! 
Aber das ist jetzt wirklich ein anderes Thema.

1 Woche später war die Beerdigung. 
Fast das ganze Dorf war anwesend...!

Der Frauenchor sang für sie und die Pfarrerin hielt eine sehr schöne Rede 

und die Erde weinte mit: denn es regnete in Strömen.

Und irgendwie war doch klar, dass sich mein Körper nach diesem Verlust melden wird. 
Die vielen anstrengenden Monaten zuvor mit dem Räuberkind und dann der Verlust meiner Mama! 
Ich spürte an diesem Tag schon immer wieder ein sehr unangenehmes Ziehen im Bauch... aber ich schob es auf den Stress, den Schmerz und Verlust. 
Wir trafen uns alle nach der Beerdigung noch im Dorfgemeinschaftshaus und tranken Tee und Kuchen. 

Gegen Abend machten der Held und ich uns wieder auf den Heimweg.
Und ich versuchte irgendwie damit abzuschließen. 
Was natürlich völliger Schwachsinn war!

Späten Abend hatte ich plötzlich so unglaubliche Bauchschmerzen, 
dass ich nicht mehr laufen konnte, mich nicht mehr grade machen konnte und nur noch gekrümmt habe vor Schmerzen und geweint habe.
Der Held war kurz davor den Notarzt anzurufen- aber  das wollte ich natürlich wieder nicht. Stattdessen hab ich einfach wieder Symptomatisch behandelt - sprich: Schmerztablette und Wärmflasche. 
Nach Stunden ging es mir etwas besser.
Freitags lag ich weiterhin flach. Samstags immer noch Schmerzen und ich ließ mich überreden dann doch mal in Krankenhaus zu gehen. 
Dort stellte man fest das ich 2 5x6cm große Zysten hatte. 
Man behielt mich dort!
Am nächsten Tag durfte ich nach Hause, da ich mich noch nicht operieren lassen wollte.... naja.... und 3 Tage später war ich wieder dort da die Zyste eingerissen war und ich wieder Schmerzen hatte und mich die Nacht zuvor Übergeben hatte und fast nen Kreislaufkollar bekam. 
Nachdem ich meine Ärztin anrief, sagte diese nur, dass ich umgehend ins Krankenhaus sollte.
Ich lag am selben Tag noch unterm Messer. 


Ihr merkt also, die letzten Monate war hier einiges los. 

Und mir ging es psychisch mehr als dreckig. 
So schlecht wie schon sehr sehr sehr sehr lange nicht mehr. 
Es fiel mir wahnsinnig schwer mich zu öffnen, 
da ich all diese Dinge irgendwie mit mir selber ausmachen wollte - 
was natürlich ein riesen großer Fehler war. 
Doch irgendwann hat mir der Held in den Hintern getreten... 
wir führten ein langes Gespräch.
Ich merkte das ich niemanden mehr so wirklich gerecht wurde... 
und am aller wenigsten mir selber.
 Dies war der Punkt, als ich das Gespräch mit meinem Hausarzt suchte. 
Ich brauche professionelle Hilfe,dessen war ich mir nun zu 100%zig bewusst. 
Stark sein bedeutet eben nicht immer nur alleine zu kämpfen, 
stark sein bedeutet eben auch Hilfe anzunehmen. 
Da die Wartezeiten für einen Termin beim Psychologen aber mehr als unverschämt sind, habe ich nun zugestimmt erstmal mit Antidepressiva zu arbeiten.
Diese Tatsache war für mich ein sehr großer Schritt.
Noch nicht mal als ich damals unter meiner Panik- und Angststörung litt mit Depressionen nahm ich das Zeug. 
Aber der Unterschied zu damals ist einfach: ich hatte den Räuber noch nicht.
Meine Ausbildung noch nicht. 
Und nicht meinen wundervollen Helden. 

Die beiden haben mein Verhalten einfach nicht verdient gehabt. 
Und was soll ich sagen: mir geht es jetzt gut!

Natürlich nehmen mir diese Tabletten nicht meinen Schmerz was den Verlust meiner Mama angeht... 

aber dieses Chaos in meinem Kopf mit unkontrollierten Gedanken und Gefühlen hat nun endlich ein Ende. 
Ich kann wieder abschalten und genießen. Ich kann wieder ich selbst sein.
Natürlich ersetzt das auf gar keinen Fall meine Therapie. 
Aber jetzt geht es mir erstmal um den Moment. 
Und für mich ist es grade der richtige Weg den ich gehe. 


(Bild: Lulugraphie)

Nur das und meine Familie zählt! 


Liebst
die Nike


PS: Wie geht ihr denn mit solchen Verlusten um? Oder geht es euch da auch so wie wir, dass ihr so etwas versucht ganz alleine mit euch selber auszumachen?

Sonntag, 30. November 2014

Rezept: Zimt-Mascarpone-Torte

 
Hallo ihr Lieben,
 
 
ich wollte schnell nur erstmal ohne große Worte euch ein Rezept in die Runde werfen, bevor der Post über die Erklärung kommt, was hier so alles los war.
 
Heute hatte die Kita vom Räuberkind "Tag der offenen Tür" und auch "Weihnachtsmarkt".
Die Mamis der Kita backen dafür kräftig Kuchen,
ich habe gleich zwei Stück gesponsort.
Einmal unseren berühmten Möhrenkuchen, und Zimt-Mascarpone-Torte.
"Leider" waren beide Kuchen heute so schnell weg,
dass wir selbst noch nicht mal ein Stück abbekommen haben :D
Also demnach gehe ich davon aus, dass sie gemundet haben.
 
 
 
Du brauchst:
 
50 g gehackte Mandeln  
 3 Eier (Größe M)
130 g Zucker
3 Päckchen Vanillin-Zucker
 1 Prise Salz
100 g Mehl
 1 gehäufter TL Backpulver
 100 g gemahlene Mandeln
  6 Blatt weiße Gelatine
500 g Schlagsahne
250 g Mascarpone
500 g Sahnequark 
75 g flüssiger Honig
2–3 TL gemahlener Zimt 
 Backpapier
 
 
Du machst:
 
1. Gehackte Mandeln in einer Pfanne ohne Fett rösten, herausnehmen und auskühlen lassen.
Eier trennen. Eiweiß und 3 EL kaltes Wasser mit den Schneebesen des Handrührgerätes steif schlagen, dabei zum Schluss 100 g Zucker, 1 Päckchen Vanillin-Zucker und Salz einrieseln lassen.
Eigelbe nacheinander zufügen und unterschlagen.
Mehl und Backpulver mischen, auf die Eischaummasse sieben und zusammen mit den gemahlenen und gehackten Mandeln vorsichtig unterrühren.
Boden einer Springform (26 cm Ø) mit Backpapier auslegen. Biskuitmasse einfüllen und glatt streichen.
Im vorgeheizten Backofen (E-Herd: 175 ° °C/ Gas: Stufe 2) ca. 30 Minuten backen.
Biskuit in der Form auskühlen lassen.
2. Dann Gelatine in kaltem Wasser eiweichen. Kuchen aus der Form lösen, Backpapier abziehen und den Boden einmal waagerecht durchschneiden.
Um den unteren Boden einen Tortenring legen.
 250 g Sahne steif schlagen und kalt stellen.
Mascarpone, Quark, Honig, 30 g Zucker, 1 Päckchen Vanillin-Zucker und 1 leicht gehäufter TL Zimt cremig rühren.
Gelatine ausdrücken, auflösen und mit 1–2 EL Creme verrühren. Gelatine-Creme unter die übrige Mascarponecreme rühren und die Sahne unterheben.
Zimt-Mascarpone-Creme auf den unteren Biskuitboden geben und mit dem zweiten Boden bedecken.
 Torte zugedeckt über Nacht kalt stellen.
3. 250 g Sahne und 1 Päckchen Vanillin-Zucker steif schlagen.
Torte aus dem Tortenring lösen und rundherum mit der Sahne einstreichen.
Die Oberfläche der Torte sollte dabei glatt gestrichen werden, die Seitenkante sollte so eingestrichen werden, dass sie Strukturen bekommt.
Torte kalt stellen.
4. Die schöne Sterne hab ich aus Pappe unterschiedlich große Sterne als Schablonen ausgeschnitten.

5. Kurz vor dem Servieren erst den Tortenrand mit Zimt bestäuben. Dann die Sterne auf der Torte verteilen und die Oberfläche mit Zimt bestäuben.
 
Wo ich das Rezept her habe, kann ich euch ehrlich gesagt gar nicht mehr sagen.
Jetzt wünsch ich euch erstmal viel Spaß beim nachbacken,
und die Tage erzähl ich alles weitere...
noch ein klitzekleines bisschen Geduld!
Aber danke schon mal für eure lieben Emails und die lieben Kommentare,
wo sich nach uns erkundigt wurde!
Hat mich wirklich sehr gefreut!
Dem Räuber geht es aber wunderbar!
 
 
Liebst
die Nike
 
 PS: Verzeiht bitte diese krisseligen Bilder, ich weiß auch nicht so recht was da passiert ist. Beim fotografieren ist es mir überhaupt nicht aufgefallen, erst als ich die Bilder eben hochgeladen und bearbeitet habe fiel es mir auf!


Dienstag, 5. August 2014

Nach Plan ist ja langweilig!

Und das ist ja hier schon an der Tagesordnung in unserem Leben.
Etwas nach Plan?
Nene, und dass hat sich ja nun wirklich bereits rumgesprochen.
 
Also, somit auch nochmal für hier diejenigen,
die uns nicht auf Facebook oder Instagram folgen:

Die Operation wurde wegen einem Notfall auf Freitag verschoben.
Eigentlich hieß es sogar erst nächste Woche Dienstag, doch unser Dr.Mir hat sich voller Elan für uns eingesetzt das die OP noch diese Woche stattfinden soll.
 
 
Und wir sind nun seit gestern erstmal gemeinsam wieder mit Jerry im Hotel bis morgen!
Das gute daran ist, die ganzen Vorsorge Untersuchen hat das Räuberkind nun schon ganz tapfer über sich ergehen lassen.
EKG, Herzecho, Leistensono,Röntgen, Blutabnahme usw.
Und ich muss sagen ich bin fast gestorben vor Stolz bei den Ultraschaluntersuchungen.
Er blieb so ruhig und lieb liegen!
Ich hab ihm immer erzählt das wir jetzt "Jerry TV" machen,
fand er gut!
Und das "schicke" Krankenhaus-Armband, darf ich selbst jetzt nicht ab machen!
Jedenfalls warum sollten wir jetzt noch paar Tage im Krankenhaus verweilen,
wenn wir uns doch noch ein paar schöne Tage in Hamburg machen können.
Somit haben wir heute beschlossen, den Tag im Hagenbecks Tierpark zu verbringen, und natürlich werden wir dem Räuberkind zu liebe auch in das dazugehörige Aquarium gehen. Ist ja klar,oder?
 
Der Held kann ja seitdem wir im März gemeinsam hier in der Klinik waren zur Untersuchung sehr gut verstehen, warum ich mit dem Räuberkind immer wieder hier her zurückkomme.
Doch seit gestern, steht er auch 100% hinter dieser Entscheidung.
 
Er lernte all die lieben Schwestern kennen,
und unseren Arzt!
Diese Wärme und Herzlichkeit mit der man dort empfangen wird, ist einfach unbeschreiblich.
Alle Sorgen und Ängsten von Seitens der Eltern werden dort ernst genommen, und man bekommt immer Verständnis und ein paar warme Worte zurück.
Alle die damals die Geschichte von Jerry mitbekommen haben,
erinnern sich noch sehr gut an die Geschichte von damals - und das ohne vorher in die Akte gucken zu müssen!
 
 
Auch das mit der Unterkunft hat sich einigermaßen geklärt.
Bis Mittwoch sind wir jetzt wie gesagt erstmal im Hotel.
Und falls bis morgen noch nichts im Ronald Mc Donald Haus frei geworden ist,
können wir beide erstmal bei Jerry mit im Zimmer schlafen!
Und wir sind auf jeden fall die Nächsten, die ins Haus einziehen dürfen!
Denn das wir nun diese relativ hohen Eigenkosten haben,
ist ihnen allen ziemlich unangenehm.
 
Jerry hat gestern übrigens nach den ganzen Untersuchungen den Stations-Garten in vollen Zügen genossen,
und hatte ernsthafte Entscheidungsprobleme bei der Wahl seines neuen Gefährts.
"Hmm..das da ist größer... aber das daaaaaaaa ist rot!"
Sehr schwer ;).
 
 
Ich wollte aber auch euch hier noch danken,
für all die lieben Worte zu meinem letzten Post.
Es tut gut, zu wissen das so viele liebe Menschen an das Räuberkind denken.
Danke!
 
Und nun beschweren sich die Männer des Hauses, dass sie Hunger haben..
also gehen wir jetzt mal frühstücken!
 
Liebst
die Nike


Sonntag, 3. August 2014

Die Angst wird akut!

Ihr Lieben,
die letzte Zeit war es hier, und auch auf Facebook ganz bewusst ziemlich ruhig geworden.
Ich habe ja bereits hier schon angekündigt gehabt,
dass das Räuberkind leider erneut am Herzen operiert werden muss.
Die letzten Monate waren für mich wirklich sehr hart.
Ich konnte mich kaum auf andere Dinge konzentrieren,
ständig schwebte die Herz-Op und die damit verbundenen großen Sorgen in meinem Kopf herum.
Nun sind die letzten 3 Monate doch quasi wie im Flug vergangen.
Und ich hatte mir ja bereits wie im letzten Post angekündigt vorgenommen Prioritäten zu setzten.
Und meine oberste Priorität ist ganz klar: das Räuberkind!
So haben wir die letzten Wochen so intensiv wie möglich genutzt,
und ich hab mich wieder auf die wesentlichen Dinge konzentriert,
und ich merkte auch das ich  wieder etwas entspannter wurde im Umgang mit Jerry, als ich den Entschluss faste manche Dinge einfach mal laufen zu lassen. Ich nahm mir selbst den Druck.
Nicht alles brauch immer meine 100%zige Aufmerksamkeit.
Außer eben eine Sache!
Und das ist wie gesagt Jerry.

Glücklicherweise, war oder ist das Wetter ja nun wirklich auf unserer Seite.
Der Sommer meinte es endlich gut mit uns.
Somit waren wir sehr sehr seeeeeeeehr viel draußen.
Wir dümpelten den ganzen Tag auf dem Spielplatz rum,
verputzten massig an Eis, und genossen fast jeden Tag unseren Smoothie an dem Jerry mittlerweile richtig Gefallen gefunden hat, und auch auf seinen eigenen Becher besteht.
Wir gingen Enten füttern, an ganz ruhigen Orten...
streckten unsere Füße ins Wasser.
Und genossen einfach in vollen Zügen diese ganz kostbaren Momente,
die wirklich viel zu kurz gekommen waren.
Ich könnt mich dafür immer noch treten.
Jedenfalls ist nun der Tag gekommen!
Heute ist Abreise.
Wir müssen uns auf dem Weg nach Hamburg machen.
Am Montag wird der Räuber auf Station aufgenommen,
und am Dienstag ist die Operation am Herzen geplant.
Die Nerven hier liegen wahrlich Plank zur Zeit.


Ich schaue diesem großen Räuberkind in die Augen, und möchte ihn eigentlich nur in den Arm nehmen,
und mit ihm weit, weit, weit weg rennen.
An einen Ort wo alles in Ordnung ist.
Einen Ort wo es so doofe Dinge wie Herzfehler und Dinge die man einfach nicht brauch,
einfach nicht gibt!
Ich möchte ihn beschützen.
Ich würde alles dafür geben, um ihm diesen Eingriff zu ersparen oder abzunehmen.
Er hat sich so wunderbar entwickelt.
Er hat diese Koma-Geschichte so unglaublich toll weggesteckt.
Und jetzt...
ja jetzt merke ich, dass ich diese Geschichte von damals einfach noch nicht verarbeitet habe.
All die Sorgen, all die Ängste, all die schrecklichen Bilder von der Intensivstation in diesen ungewissen 7 Wochen kommen wieder hoch.
Dieser Moment wo mir alles vor Schock aus den Händen fiel,
als ich diese hektische Versammlung von Ärzten und Schwestern um sein Bett sah.
Sie sich Dinge zu riefen...
ich spüre diese Hand die auf mich zukam, und mich aus dem Zimmer schob...
meine verzweifelten Worte, dass man mich doch bitte Aufklären sollte.
Doch keiner hatte dafür Zeit.
Sie waren alle mit Jerry beschäftigt!
2,5 Stunden später erst kam jemand zu mir.
In dieser Zeit bin ich x-Mal vor der Intensivstation in Tränen zusammengebrochen.
Ich weiß nicht,
ob ich so etwas in der Art noch einmal durchstehen kann.
All das,
es ist wieder so akut!
So nah!
So greifbar!
Und ich kann nichts dagegen tun.
Außer mir immer wieder einzureden,
dass Jerry größer und vor allem stärker und robuster geworden ist.
Er ist ein Kämpfer!
Das ist nicht neues!
Und wir sind nicht alleine!
Wir haben den Helden mit an unserer Seite!
Allerdings geht es ihm da nicht viel besser als mir.
Für ihn, ist es das 1.Mal das er so etwas "großes" miterlebt.

Leider fängt der ganze Tumult auch nicht Stressfrei an.
Wäre ja auch mal was ganz Neues, oder?
Denn eigentlich sollten wir ja ins Ronald Mc Donald Haus.
Doch leider habe ich am Freitag erfahren,
dass sie noch kein Zimmer für uns frei haben.
Nun. Das ich da erstmal in Tränen ausgebrochen bin, könnt ihr euch vorstellen?
Denn findet mal in den Sommerferien ein bezahlbares und/oder freies Hotel!
Die Panik stand mir im Gesicht geschrieben.
Ich könnte ja zur äußersten Not halt mit im Zimmer schlafen,
doch bin ich ja nicht alleine! Der Held ist ja auch noch mit dabei.
Nach 2 Stunden rumtelefonieren habe ich dann in der Tag eins gefunden.
Leider aber erstmal nur bis Mittwoch, da sie ab da an dann ausgebucht sind.
Wir hoffen jetzt einfach  mal, dass wir bis dahin in das Ronald Mc Donal Haus einziehen können. Denn eine Familie soll wohl nächste Woche entlassen werden, wenn alles gut geht. Wenn nicht, haben wir aber Gottseidank ein Plan B in petto. Aber auch nur, weil es eben auch ganz besonders liebe und nette Menschen gibt.
Aber zurück zur Op!
Jerry wird uns ganz bestimmt wieder überraschen.
Und am Ende werde ich von einem Quietschfidelen Räuberkind berichten,
der so tut als wenn nie irgendwas gewesen wäre!
Oh jaaa...
das wünsch ich mir!

Ich hoffe so sehr, dass all meine Ängste absolut unbegründet sind.
Und das von ganzem Herzen!


Freitag, 11. Juli 2014

Das Ding mit den Prioritäten

 
Mal ganz davon abgesehen, dass mich das Wetter allgemein sowieso sehr nervt mit dem ständigen hin und her.
Mal zeigt das Thermometer auf dem Balkon, wo eigentlich die Sonne mit all ihrer Kraft drauf scheinen sollte,  nur läberliche 17° an... und es regnet und regnet, und Gewittert und donnert...
und überhaupt friert man sich in Sommerkleidung ein wenig den Hintern ab.
Dann an nem anderen Tag, haben wir dann mal wieder FÜR EINEN TAG, über 30°.
Was soll das?
 
Kein Wunder dass das Wetter bei uns gerade "Krank sein" verursacht,
und uns somit wirklich den Rest gibt.
Es ist ja nun wirklich kein Geheimnis mehr,
dass bei uns wirklich sehr viel los ist.
So viel das hier und auch auf Facebook wirklich Stille herrscht.
(wobei dabei spielt auch die Tatsache, dass mein Laptop in Reparatur war, auch ne entscheidende Rolle)
Und langsam muss ich mir eingestehen...
mich beschäftigt
ZUVIEL!
 
Warum muss ich mir auch immer so viel aufbrummen?
Warum kann ich nicht wirklich mal "Nein" sagen?
Ich meine nicht unbedingt "nein" zu anderen.. sondern zu mir selbst.
Ich hab irgendwie ständig das Gefühl, dass ich mir als selbst etwas beweisen  möchte.
Die letzten 2 Jahren waren auf der einen Seite wirklich wunderschön,
auf der anderen Seite aber auch sehr sehr stressig...
da mein Leben gerade irgendwie im Turbogang vorwärts verläuft,
und endlich in die richtigen Schienen gelangt...
evtl. aber auch zu schnell für so viele Pläne wie sie bei uns anstehen.
 
Aktuell sind wir alle (naja okay, außer der Held) gesundheitlich sehr angeschlagen.
Der Räuber ist irgendwie ständig krank.... hatte jetzt innerhalb von ein paar Tagen gleich mal 2 Krupp-Anfälle. An einem anderen Tag hat er wieder über 40° Fieber, und übergibt sich.
Dann liege natürlich ich wieder Flach... meine Neurodermities bricht nach über 15 Jahren wieder aus...meine Migräne treibt mich auch oft in einen absoluten
KO-Zustand 
dann erfahre ich das Jerry wohl wirklich ein "Glücksgeschenk" für mich ist, und ich sehr wahrscheinlich ohne Hormonbehandlung nur verdammt schwer Kinder bekommen kann...
und das auch noch andere Dinge über die ich jetzt noch nicht reden möchte,
engmaschig Kontrolliert werden müssen.
Zeitgleich natürlich der ganze Druck in der Ausbildung, dem ich irgendwie natürlich auch noch gerecht werden muss...
Ich mein, hat es hat ja auch keiner behauptet das Ausbildungsjahre Herrenjahre sind.
Jedenfalls werde ich dem ganzen eigentlich irgendwie gerade überhaupt nicht gerecht.
Mein Kopf ist seit Monaten nur noch mit der Herz-Op beschäftigt ,
ich versuche es zwar immer wieder zu verdrängen ...
 damit ich eben einigermaßen lernen kann,
aber was ich davon habe, sieht man ja!
 
Zeitgleich dieser ganze Druck den ich mir ja auch irgendwie selbst mache, mit Jerrys Spendenaktion und dem (eigentlich) geplanten Benefiz-Sommerfest.
Dann sind wir hier gerade INTENSIVST auf Wohnungsuche, da wir hier ansonsten bald alle nen Koller bekommen.
All das ist alles nur ein kleiner Teil von dem was mich gerade so umgibt.
Und jetzt bin ich an dem Punkt (mal wieder) - und dieses Mal ist es mir wirklich wieder sehr sehr Ernst - das ich für mich lernen muss, dass ich auch mal Prioritäten setzen muss...
und wie oben schon gesagt auch mal zu mir "Nein!" sagen ...
Es geht halt dann eben doch nicht immer alles auf einmal.
Und das ist einer meiner größten Schwächen...
ich will immer alles direkt auf einmal.
Ich setzte mir was in den Kopf,
und dann will ich das auf biegen und brechen auch wirklich schaffen.
Und wenn ich es nicht schaffe, dann hab ich irgendwie immer wieder das Gefühl versagt zu haben.
Aber das ist ja völliger Schwachsinn.
Ich mach mich da immer selbst viel zu sehr fertig,
und mache mir dann im nachhinein viel zu viele Gedanken.
 
Und typisch für mich ist es natürlich auch,
dass ich das ganze erst um 5 vor 12 bemerke.
Wobei es diesmal sogar eher 1 vor 12 ist.
 
Aber jetzt muss ich selbst mal auf die Notbremse treten.
Es geht so nicht weiter!
Und aus dem Grund habe ich für mich selbst jetzt n Entschluss gefasst,
der mir wirklich sehr sehr schwer fiel,
und mich viele schlaflose Nächte gekostet hat.
Das Ding mit der Spendenaktion werde ich jetzt ganz langsam angehen.
Das geplante Benefiz-Fest wird ebenfalls verschoben.
Auch auf die Gefahr hin, dass wir es dann sehr wahrscheinlich nicht bis nächstes Jahr schaffen..
Selbst wenn ich es schaffen würde,
würde ich dann wahrscheinlich danach zusammenbrechen..
und das bringt Jerry noch weniger etwas.
 
Wir müssen uns jetzt erstmal als Familie auf die anstehende Herz-Operation konzentrieren,
die in 3 Wochen schon ansteht.
Angesichts von Jerrys Gesundheitszustand, wächst meine Angst da noch mehr.
Und dann muss ich erstmal wieder einen Kopf für die Ausbildung bekommen,
und wenn wir eine neue Wohnung gefunden haben,
werde ich auch wieder um einiges entspannter sein.
 
Wie gesagt, ich setzte für mich Prioritäten, die auch Jerry zu Gute kommen.
Lieber soll er eine entspannte Mama haben,
als eine die total gestresst ist, und gar nicht weiß wo ihr der Kopf steht...
und den Blick für das wesentliche verliert.
Der Räuber spürt den ganzen Stress natürlich auch.

Und das möchte ich nicht.
Das ist mir das ganze nicht wert.
Wie gesagt, dass soll jetzt nicht heißen, dass ich alles abblase... nein, nein,nein...
es soll nur heißen,
das ich jetzt erstmal einen langsameren Gang einlege,
und den Blick für die klitzekleinen Dinge im Leben wiederfinde.
Es macht mich sehr traurig, dass ich diesen Blick fast aus den Augen verloren habe.
Ich möchte wieder entspannt sein...
ich möchte wieder Hobbys nachgehen können...
ich möchte wieder auf mich achten,
und für Jerry ausgeglichen sein, und für ihn ganz ganz ganz viel Zeit haben.
Ich möchte meine Familie wieder genießen können,

 
und ich möchte nicht mehr das Gefühl haben,
dass ich allem nicht mehr gerecht werde.
Und das mir irgendwie alles aus der Hand zu gleiten scheint,
und all das was mir ganz  eigentlich ganz besonders wichtig ist,
irgendwie in den Hintergrund gerät.
Ich möchte das Gefühl von Sicherheit haben.
Von Hoffnung.
Und dann kann ich auch alles andere wieder angehen.

Dieses Gefühl von Rastlosigkeit ist fürchterlich.
Die letzten Monate oder das letzte Jahr,
schein ich gar nicht mehr wirklich richtig entspannen zu können.
Ständig dreht sich  mein Kopf um Dinge, die alle noch darauf warten erledigt zu werden... und irgendwie werden es immer mehr anstatt weniger.
Ich liege nachts wach,
weil ständig Dinge in meinen Kopf herum wirren.
Es macht einfach keinen Spaß mehr.
Und ich möchte die Dinge mit Spaß und Freude angehen,
nicht mit Stress und Druck.
Ich möchte meine Familie genießen können!

Versteht ihr was ich meine?


Liebst
die Nike